Kleine Geschichte der Skinheads
in ner umnachteten minute habe ich mich entschlossen, (m)eine sicht auf die subkultur hier zu veröffentlichen. der text ist nun ca. zwei jahre alt. (vielleicht sollte ich mal modische aspekte aktualisieren?!)
bis jetzt gibts nen abriss der entstehung und was zur garderobe. es folgen politik, musik und was mir so einfällt. wundert euch nicht, wenn der text manchmal etwas zu kurz gerät und ich an anderen stellen völlig klare dinge erläutere oder dass alles ein bissel abgehoben klingt: der text ist als überblick für leute gedacht, die außer in der "BLÖD"-zeitung mit der szene nix zu tun haben. unten folgen dann noch quellenangaben bzw. literaturtipps.
Historischer Abriss
jungs in schweren boots und mit crop waren schon um 1964 in den kreisen der Mods gesichtet worden. es dauerte aber eine weile, bis sich der stil der Skinheads endgültig als eigener typus innerhalb der verzweigten britischen jugendkulturlandschaft etablierte:
Britische Jugend(sub)kulturen
die Modernists, allgemein nur Mods genannt, gehörten zu einer subkultur, die sich in england anfang der 1960-er jahre unter weißen jugendlichen entwickelt hatte. sie waren die wichtigsten und unmittelbaren vorläufer der Skinheads. Mods waren zumeist jugendliche aus arbeiterfamilien, die in die mittelschicht strebten. sie lebten zwar nicht mehr wie ihre eltern in verelendeten verhältnissen, es hatte sich aber an ihrer stellung in der gesellschaft nichts geändert – sie waren immer noch weit, weit unten. beruflich hatten sie es bestenfalls zum verkäufer oder zu untergeordneten positionen in verwaltungsstellen gebracht, aber ihr äußeres erscheinungsbild signalisierte bereits die erstrebte zugehörigkeit.
mod zu sein hieß: teure klamotten, Ska, aufputschtabletten, eine effektvoll gestaltete Vespa und wichtigtuerei. aufgrund ihrer sozialen lage konnten sich Mods diesen aufwändigen lebensstil eigentlich nicht leisten, trotzdem versuchten sie auf diese symbolische weise, über ihre herkunft aus der ehemals stolzen und jetzt in die armut fallenden arbeiterklasse hinwegzutäuschen.
in die bewegung strömende kids brachten gewalt, tumulte und kneipenschlägereien mit und lösten eine veränderung innerhalb der Mods aus. die bewegung wurde härter, ihr image wurde immer mehr von tatsächlicher gewalt als von provokation geprägt. die modbewegung befand sich auf kollisionskurs mit sich selbst. viele Mods stiegen aus: vor allem die, die den sprung in die universitäten und kunsthochschulen geschafft hatten, setzten sich im studentischen milieu zur ruhe, andere wiederum wurden einfach "normal".
innerhalb dieser szene entwickelten sich daraufhin die Hard Mods. sie waren die, denen das geld für die angesagten und schweineteuren klamotten fehlte und die lieber billiges bier tranken, als tabletten und cocktails in irgendwelchen in-clubs zu nehmen.
die Hard Mods bekannten sich im gegensatz zu den Trendies – dieser name wurde zuweilen für die angepassteren Mods gebraucht – deutlich proletarisch, für sie hatte respektlosigkeit und herausforderndes verhalten gegenüber autoritäten und öffentlicher ordnung einen wesentlichen stellenwert. diese für das entstehen der Skinheads bedeutungsvolle wachsende anzahl von gangs verstärkte das gewalttätige und aggressive bild der Mods nach 1964.
in vielen städten englands bzw. in den einzelnen stadtteilen gab es gangs von Hard Mods. auf sie übte die ganovenwelt eine große faszination aus, sie adaptierten sprachelemente und verhaltensmuster. sie verteidigten ihren stadtteil gegen angehörige anderer gangs, zogen in die fußballstadien und kleideten sich anders: sie tauschten die teuren schuhe gegen schwere boots, trugen jeans und t-shirt schließlich auch am wochenende, schnitten ihre haare kürzer.
die zweite bedeutende quelle der Skinheads waren die Rude Boys. sie waren kinder westindischer einwanderer und lebten in den gleichen arbeitervierteln mit den gleichen abneigungen gegen mittelschichtler und sämtliche staatliche institutionen, und sie hatten sich in ähnlich harten gangs wie die Hard Mods organisiert. als wichtigen impuls für die englische jugend hatten sie den Ska aus jamaika mitgebracht. gemeinsam mit ihnen besuchten Mods (und später Skinheads) tanzschuppen, um nach den neuesten platten aus jamaika zu tanzen. dies war ein wichtiges bindeglied und wahrscheinlich der hauptgrund für den hohen anteil farbiger jugendlicher unter den Skinheads der späten 1960er und anfang der 1970er jahre.
ein weiterer ursprung waren die Boot Boys – ebenfalls weiße jugendliche aus den unterschichten. ihr aktionsraum waren die ränge der fußballstadien, sie entwickelten sich als jugendkultur aus hooligans und erregten regelmäßig durch wahre schlachten mit gegnerischen fans aufsehen in großbritannien. ihren namen hatten sie von ihren arbeitsschuhen, oft mit außen aufgesetzten stahlkappen, die sie in den farben der favorisierten mannschaften bemalten. auch sie waren bekleidet mit stiefeln, hemd und jeans.
schließlich entstanden ab 1968 immer mehr gruppen von jugendlichen, die noch stärker als die Hard Mods ihre herkunft aus der arbeiterklasse hervorhoben und sich in gewalttätigen, rivalisierenden straßengangs, den so genannten "crews" und "fleets" (verbindung verschiedener crews), zusammenschlossen. und wie die Boot Boys nahmen sie das fußballspiel am wochenende zum anlass für schlägereien mit gegnerischen fans.
The 1st Generation – Born in 1969
sie trugen die haare in proletarischer manier kurz, was ihren aggressiven gesamteindruck bestärken sollte, oft konnte man die kopfhaut durch die haare schimmern sehen. wahrscheinlich deshalb setzte sich 1969 der name Skin Head durch, nach bezeichnungen wie Lemons, Spy Kids, Peanuts, No-Heads.
der "normale" Skinhead war ein männlicher jugendlicher aus der unterschicht (arbeiter und einwanderer) und zumeist unter 18 jahren alt. es gab sowohl crews mit ausschließlich weißen, als auch rein farbigen oder gemischten mitgliedern. gemeinsam mit den Rude Boys frequentierten sie die schwarzen Ska- und Reggae-clubs. es entwickelte sich ein eigenständiger musikstil: der Skinhead Reggae.
die crews trugen untereinander gewalttätige kämpfe um gebietsansprüche aus. die als "paki-bashing" zu unrühmlicher bekanntheit gelangenden übergriffe (von rein verbal, über sachbeschädigungen bis zum tatsächlichen jagen und verprügeln) war weniger ausdruck einer rechtsextremen gesinnung als die fortführung von gebietsansprüchen. auch Rude Boys hassten die "pakis", sie verstanden genauso wie die Skinheads nicht, wieso die kinder der asiatischen einwanderer sich keiner der bestehenden jugendbewegungen anschlossen. inder und pakistanis besetzten eigene territorien, in denen sie eigene läden, cafés usw. einrichteten, und vermischten sich nicht mit der traditionellen arbeiterklasse – sie wurden als bedrohung empfunden. außerdem galten hippies, rocker, homosexuelle (queer-bashing) und studenten als bevorzugte angriffsziele.
in den tanzhallen verdrängte mit ausdehnung der rastafari-bewegung schwer tanzbarer Dub Reggae (buh!!! – d. a.) mit religiös beeinflussten texten den von Skinheads geschätzten Ska und Skinhead Reggae. rastafari brachte auch den genuss von marihuana mit, einer von Skinheads nicht akzeptierten, neuen droge. das bündnis zwischen den farbigen Rude Boys und weißen Skinheads zerbrach.
die folgenden schlägereien und schlachten zwischen den gruppierungen verschiedener hautfarben ließen die boulevard-presse aufschreien. mit großem erfolg wurden Skinheads als hirnlose und gewalttätige verbrecher dargestellt. Skinheads wurden zu gefürchteten und verhassten un-personen. einige verließen deswegen die subkultur, andere strömten gerade wegen der gewalttätigkeit hinein. die polizei reagierte zunehmend restriktiv; letztlich reichte das entsprechende outfit aus, um z. b. nicht ins fußballstadion gelassen und/oder verhaftet zu werden. das jahr 1971 kann als ende dieser ersten generation angesehen werden.
Streetpunk
jedoch verschwanden Skinheads nie vollständig von den britischen straßen. und als 1976 mit dem punk eine neue jugendkultur die straßen und die aufmerksamkeit der medien eroberte, waren Skinheads wieder zur stelle: in spektakulären straßenschlachten zwischen Teds und Punks waren Skinheads auf beiden seiten vertreten. auf den seiten der teds kämpften traditionsbewusste Skinheads, zu den Punks stieß eine neue generation. diese "neuen" gaben sich anarchischer und sie neigten dazu, noch gewalttätiger als ihre vorbilder zu sein. hier traten stolz und tradition der auf die selbstbewusste britische working class bezogenen "alten" gegen die höhnende respektlosigkeit der "neuen" Skinheads an.
nachdem Punk sich innerhalb der folgenden zwei jahre in der welt des kommerziellen pop etablierte, wandten sich viele der jüngeren Skinheads wieder dem ursprünglichen stil zu. ihre haare waren aber meistens deutlich kürzer – teilweise wurde jetzt kahl rasiert. auffällige neue accessoires waren mit chemischen reinigern stellenweise geblichene jeans und hosenträger, die nicht die hose trugen, sondern symbolisch herabhängend getragen wurden. aber auch die smarte garderobe erlebte ein come-back. die bevorzugte musik war immer noch Ska, aber von einer schnelleren art; der Skinhead Reggae lebte wieder auf.
musikbands, die der kommerzialisierung des Punk ablehnend gegenüber standen, entwickelten eine neuen bzw. ursprünglichen, rauheren stil: den Streetpunk. die bands selbst waren keine Skinheads, und das publikum rekrutierte sich eher aus Punks als Skinheads. trotzdem wurde Streetpunk zur bevorzugten musik der Skinheads. 1980 verwendete der musikjournalist Gary Bushell zum ersten mal den Begriff Oi!: »[...] ganz am Anfang nannte ich die Bands New Punk, danach Real Punk. Oi! war aber irgendwie treffender. Ich erfand den Begriff für das neue Genre 1980.«
die zahl der Skinheads schwoll wieder an, und die konzerte von Streetpunk- und Ska-bands wurden immer zahlreicher von Skinheads besucht. bei den veranstaltungen kam es oft zu ausschreitungen zwischen football crews, aber auch zwischen anhängern verfeindeter politischer lager. das brachte die Skinheads wieder in die schlagzeilen. zudem begannen (vor dem hintergrund von massenarbeitslosigkeit und angst vor überfremdung) rechtsextreme parteien und gruppierungen – allen voran "British Movement" und "National Front" – mit einer massiven rekrutierung unter britischen Skinheads.
die medienberichte propagierten den – nicht zu verleugnenden – einfluss rechter gruppierungen auf die britische Skinheadszene. fast überall wurden Skinheads und neofaschismus gleichgesetzt. die endgültige abstemplung als rechtsextreme totschläger folgte nach den ereignissen von Southhall: in der "Hambrough Tavern" war es im sommer 1980 wegen des auftritts vermeintlich rechter bands zu einer straßenschlacht zwischen publikum und jugendlichen einwanderern gekommen, infolge derer viele menschen schwer verletzt wurden und der veranstaltungssaal abbrannte.
das entsetzen der medien darüber hatte einen bis heute wirkenden nebeneffekt – der begriff "Skinhead" wurde über die grenzen des vereinigten königreichs hinaus zum inbegriff des nationalistischen, brutalen schlägers. unter diesem vorzeichen verbreitete sich die subkultur ins westliche europa (vor allem Frankreich und die damalige BRD) und in viele andere länder: es entstanden Skinhead crews in Australien, in den USA, aber auch in osteuropa.
diese zweite welle von Skinheads ist die, die heute den größeren einfluss auf die aktuelle Skinheadkultur hat:
- ein offensichtliches indiz dafür ist das synonym "Oi!", das gleichbedeutend mit "Skinhead" (sowohl für die kultur insgesamt, als auch für die bevorzugte musikrichtung) verwandt wird.
- der kleidungsstil orientiert sich weitaus stärker an den späten 1970er jahren. – in Nick Nights stilüberblick "Skinhead" sind typen abgebildet, die heute nur noch sehr intime kenner unter Skinhead einordnen würden.
- unter Punks und nicht-rechten Skinheads wird oft das gemeinsame zusammenstehen propagiert: "Skins and Punks – unite!" oder auch im weniger verbreiteten begriff "Skunks".
Szenetypisches Outfit
»Jeans und Boots wurden fürs Fußballstadion zur Seite gelegt, und hervor kamen Levi's Sta Press, Mohairanzüge, auf Hochglanz polierte Brogues und ähnlich imponierendes.« (George Marshall)
wie grenzen sich angehörige verschiedener jugendkulturen am deutlichsten untereinander ab – ohne sich beim ersten anblick nach ihrem bevorzugten musikstil zu befragen? durch ihr outfit! andererseits fördert eine für andere klar erkennbare zuordnung die eigene identität. – um den anderen in tiefsten misskredit zu bringen, fällt unter verfeindeten Skinheads gern der vorwurf, "nur ein modeskin" zu sein, das heißt sich der bewegung anzuschließen, weil das outfit gefällt und auch einen gewissen schutz bietet: wer beschimpft schon auf offener straße einen Skinhead?!
oft wird es aber umgangen, detailliert auf das äußere erscheinungsbild der Skinheads einzugehen. den meisten berichterstattungen scheint der kurze haarschnitt, möglichst in verbindung mit festem schuhwerk, auszureichen. dieses bild entspricht aber schon seit einigen jahren der aktuellen jugendmode! selbst szenetypische bekleidungsstücke wie bomberjacke und Doc Martens haben ihren festen platz in der konsumkultur gefunden.
nur mit einem sorgfältigen blick auf das typische erscheinungsbild von Skinheads ist es möglich zu erkennen, ob medienberichte Skinheads, modisch gekleidete jugendliche oder offensichtliche neonazis zum thema haben. dann kann man für sich entscheiden, ob wieder einmal auf spektakulärem weg ein sündenbock gesucht und schiere propaganda als mittel der schuldzuweisung betrieben wird.
Garderobe
was die äußerlichkeiten angeht, so stellt sich die situation heute für szene-neulinge wesentlich einfacher dar. selbst originäre Skinhead-klamotten kann man – anders als noch vor zehn jahren – unproblematisch im warenhaus oder per versandkatalog kaufen.
ich halte die aufzählung hier sehr ausführlich, auch um zu zeigen, dass Skinheads, bis auf den haarschnitt, der wiederum eher konform zur aktuellen mode läuft, oft nicht als solche zu identifizieren sind. neben der bomberjacke werden Harrington, Donkey und Jeans Jackets bevorzugt getragen.
zur Skinheadgarderobe gehören:
- jeans (Levi's, Wrangler, Lee), manchmal hochgekrempelt, oft in verbindung mit hosenträgern; ab ende der 1970er wurden sie teilweise mittels starker haushaltsreiniger stellenweise entfärbt (Domestos)
- kordhosen und Levi's Sta Prest (mit beständiger bügelfalte)
- button-down-shirts – hemden mit geknöpften kragenenden, oft von Ben Sherman, auch Brutus oder Jaytex
- polohemden, hier ist die bevorzugte marke Fred Perry
- weiße t-shirts
- pullunder, v-pullover und strickjacken (cult: Pringle)
- Donkey Jackets – schwarze geknöpfte hüftlange jacken aus schwerem filz mit pvc-besatz an den schultern
- Harrington Jackets – bundjacken mit futter im schottenmuster
- bomberjacken, hauptsächlich in grün
- jeansjacken
- lange mäntel: Crombie und Sheepskin
- drei-loch-anzüge
- hüte: Pork Pie und schiebermützen
- bedruckte t-shirts und kapuzenpullover
- sportkleidung von Lonsdale, Fred Perry
zu anderen aufmachungen, unter denen "Skinheads" oft firmieren, die nicht in der aufzählung auftauchen und der autor für szeneuntypisch erachtet, insbesondere uniformstücke, kommt später noch was...
Schuhwerk
Skinheads bevorzugten immer schweres schuhwerk, die ende der 1960er noch oft getragenen NCB Boots mit außen aufgesetzter stahlkappe wurden bald von Doc Martens verdrängt. immer noch werden schuhe mit stahlkappen bevorzugt getragen – was in einer straßenschlägerei zum vorteil, bei der flucht vor der polizei zum nachteil gereichen kann;-)
gerne werden aber auch loafers (flache schuhe mit fransen) und brogues (mit lochmuster) getragen. zur betonung der besonderen schnürung bei den hohen stiefeln und, weil es einfach gefällt, werden oft farbige (bevorzugt weiße) schnürsenkel verwendet.
neben Doc Martens werden wegen ihres noch martialischeren äußeren Shelley Rangers und andere schwere schnürstiefel mit auffällig abgenähter oder auch außen aufgesetzter stahlkappe getragen.
Haarschnitt
die Skinheads der ersten generation hatten einen sehr viel längeren haarschnitt als heute üblich. sie hatten rundum bis etwa streichholzlange haare (kurz genug, um die kopfhaut hindurch schimmern zu sehen). oft wurden sie nach dem verwendeten schermaschinenaufsatz benannt, z. b. "#1 Crop" für den kürzesten.
heute werden die haare zumeist in der länge getragen, wie sie beim scheren mit der schermaschine mit dem kleinsten oder ohne aufsatz entstehen: ein bis drei millimeter. bis zum nächsten scheren kann das haar bis etwa einen zentimeter lang werden. verpönt sind so genannte Yankee Crops, d. h. militärhaarschnitte, bei denen das haar auf dem scheitel etwas länger und vom nacken bis oberhalb der ohren ausrasiert ist. Smart Skins, die sich auf die wurzeln um 1970 beziehen, tragen ihre haare entsprechend länger. vor allem bei Naziskins sind häufig nassrasuren des (dumm-)kopfes zu sehen.
immer schon gehören backenbärte, sogenannte koteletten, zur Skinheadmode. kurze schnauzbärte werden als proletenhaftes symbol geduldet. in letzter zeit werden immer öfter auch kinnbärte akzeptiert. dies ist auf Hardcore-einflüsse us-amerikanischer Skinheads zurückzuführen.
Tätowierungen
tätowierungen sind in modernen gesellschaften immer ein merkmal unterer schichten (wobei popstars das kokettieren mit dieser kunst durchaus zugestanden wird). die träger der tätowierungen selbst wissen oft erst nach einigen jahren, was sie auf dem körper tragen: eine erinnerung, eine jugendsünde, kunst – oder das bekenntnis zu ihrem lebensstil.
Skinheads hatten dieses mittel zur provokation und selbststigmatisierung frühzeitig benutzt. besonders beim wiederauferstehen der subkultur um 1980 war es nicht unüblich, solche – auch in den unterschichten als tabu geltende – bereiche wie hände und gesicht mit einem patriotischen "Made in England" oder einem martialischen "HATE" zu verzieren.
teilweise werden motive aus dem eigenen leben gewählt, auch fabelwesen oder tiere, denen macht und stärke zugeordnet werden, sowie originäre Skinheadmotive und -symbole sind weit verbreitet. politische aktivisten beziehen sich auf ihre einstellung. das tätowierte hakenkreuz kam übrigens erst mit der Punkbewegung auf – dort wurde es als radikale provokation verwendet.
Skinhead Girls
innerhalb der Skinheads gibt es relativ wenige sogenannte Renees. die stark auf männlichkeit orientierte szene ist offensichtlich nicht besonders attraktiv für mädchen und junge frauen. im gesamten auftreten gleichen sie eher ihren männlichen vorbildern. straff organisierte frauenvereinigungen wie z. b. in rechtsextremen gruppierungen gibt es nicht.
im aussehen unterscheiden sie sich durch einen haarschnitt, der im nacken und an den ohren längere haare (feathers) hat. wenn es die witterung zulässt, werden gerne miniröcke (skirt) in kombination mit netzstrümpfen getragen. sonst ist sowohl die kleiderordnung als auch ihr auftreten analog zum Skinhead.
Weiterführende Literatur
- El-Nawab, Susanne "Skinheads. Ästhetik und Gewalt.", Brandes u. Apsel, Frankfurt/Main 2001
- Farin, Klaus; Seidel-Pielen, Eberhard "Krieg in den Städten", Rotbuch Verlag, Berlin 1991
- Farin, Klaus; Seidel-Pielen, Eberhard "Skinheads", C. H. Beck, München 1993
- Farin, Klaus (Hg.) "Die Skins: Mythos und Realität", Christoph Links Verlag, Berlin 1997
- Farin, Klaus (Hg.) "Skinhead - A Way of Live: eine Jugendbewegung stellt sich selbst dar", Verlag Thomas Ilsner, Berlin 1999
- Farin, Klaus "generation-kick.de: Jugendsubkulturen heute", C. H. Beck, München 2001
- Janzik, Alfred "Skinheads" in "Texte zur Inneren Sicherheit Band I/97", Bundesministerium des Inneren, Bonn 1997
- Johnson, Gary "The Story of OI - A View from the Dead-End of the Street", (Babylon) Manchester 1981
- Mader, Matthias "Oi! - The Book Vol. 1", Verlag Jeske/Mader GbR, Berlin 1996
- Marshall, George "Spirit of '69 - Eine Skinhead Bibel", S. T. Publishing, Schottland, Dunoon 1991, Deutsche Erstveröffentlichung 1993
- Mead, Allan "Skinhead Girl", The Bath Press, Avon 1988
- Night, Nick "Skinhead", Omnibus Press, London 1982
- Remath, C.; Schneider R. "Haare auf Krawall - Jugendsubkultur in Leipzig 1980 bis 1991", Connewitzer Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1999
- Rohmann, Gabriele "Spaßkultur im Widerspruch - Skinheads in Berlin" [Hg.: Joachim Kersten für das Archiv der Jugendkulturen e. V.], Tilsner, Bad Tölz 1999
- Stock, Manfred; Mühlberg Phillip "Die Szene von innen - Skinheads, Grufties, Heavy Metals, Punks", LinksDruck Verlag, Berlin 1990
- Stöss, Richard "Rechtsextremismus im vereinten Deutschland", Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn 1999
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